logo-100-hanwag

›Made in Europe‹-Roadtrip – hier geht’s zu den Stationen:
–> Zu Besuch am bayerischen Stammsitz
–> Unsere größte Schuhfabrik in Kroatien
–> Ein Tag im HANWAG Werk in Ungarn
–> Traditionelles Schuhhandwerk in Schwaben
–> Die Schuh-Dynastie in Bosnien

HANWAG produziert ausschließlich in Europa. Aber was heißt das konkret? Und vor allem: Wer sind die Menschen, die mit ihrer Handarbeit und ihrem Know-how für die Qualität unserer Schuhe stehen?

In dieser Serie nehmen wir Dich mit auf einen Roadtrip zu fünf HANWAG Produktionsstätten in vier europäischen Ländern. Dabei kannst Du einiges über Schuhproduktion lernen. Und an jedem Ort lernst Du  spannende Mitarbeiter:innen kennen. Folge 3 führt Dich in unser Werk nach Ungarn.

Herzlich Willkommen in Hajdúböszörmény

  1. Csilla brennt für Qualität
  2. Andrea: »Hier fühlt es sich an wie in einer Familie«
  3. Robert sorgt für die perfekte Passform
  4. Timea: »Hier kann ich mich weiterentwickeln«

Hajdúböszörmény – ehrlich gesagt, wissen wir bis heute nicht, wie man den Namen richtig ausspricht. Was wir aber wissen: Diese 30.000-Einwohner-Stadt liegt ganz im Osten von Ungarn. Sechs Stunden Fahrzeit – vorbei am schönen Balaton – waren es vom Werk in Kroatien bis hierher. Und auch hier war mal ein Zentrum der Schuh- und Textilindustrie.

1989 gründete ein Unternehmer in Hajdúböszörmény die Schuhfabrik Progressz. 1994 bekam er erste Aufträge von HANWAG. 2015 kaufte HANWAG die Produktionsstätte und beschäftigt dort heute rund 90 Mitarbeiter:innen.

Porträtfoto von Aniko Aszalos Geschäftsführerin der Hanwag Produktionsstätte in Ungarn

»Vor allem nähen wir hier Schäfte, die in anderen HANWAG Fabriken mit den Sohlen verbunden werden.«

Anikó Csorbáné Aszalós, Geschäftsführerin der Fabrik

»Ein paar Modelle wie der HANWAG Tatra werden komplett bei uns hergestellt«, erklärt uns die Progressz-Geschäftsführerin Anikó Csorbáné Aszalós. »Vor allem aber nähen wir hier Schäfte, die dann in anderen HANWAG Fabriken mit den Sohlen verbunden werden.« Dazu zählen zum Beispiel auch die Schäfte für alle zwiegenähten Modelle, die zur Sohlen-Montage nach Deutschland zur Firma Reck kommen.

Die Stepperei ist erfüllt vom Surren der Nähmaschinen, vom Rumpeln der Stanzen und vom »Klonk« der Nietmaschinen. An verschiedenen Arbeitsstationen fallen uns laminierte Zettel mit Anweisungen von Gore auf. »Jedes Werk, das die Gore-Tex-Membran verbaut, muss von Gore selbst zertifiziert sein«, erklärt Anikó. So möchte die Firma dafür sorgen, dass ihr Versprechen »Guaranteed to keep you dry« eingehalten wird. »Die Mitarbeiterinnen arbeiten gerne mit Gore-Tex«, erzählt Anikó. »Denn es ist ein anspruchsvolles Material. Man muss es schweißen.« In einer neu gebauten Fabrikhalle nebenan erledigt eine Handvoll meist männlicher Mitarbeiter die Montage von Schuhen. Es wird geklebt, gezwickt, geschliffen und poliert.

Und worauf ist Anikó besonders stolz? »Wir gelten als ein guter Arbeitgeber hier in der Stadt. Die Menschen kommen gerne und bleiben meist viele Jahre lang.«

4 Mitarbeiter:innen stellen sich vor

Csilla bringt mehr als 20 Jahre Berufserfahrung mit. Schon ihr Vater war Schuster.

1 Csilla brennt für Qualität

Csilla steht neben einer flackernden Gasflamme. Und Csilla steht schlussendlich für die Qualität von HANWAG Schuhen. Die 43-Jährige erledigt die Qualitäskontrolle im Werk von Hajdúböszörmény. Bevor von hier zum Beispiel Schuhschäfte zur Montage ins Werk nach Kroatien oder Deutschland gefahren werden, inspiziert Csilla jeden Einzelnen. »Es darf keine Fehler zum Beispiel bei den Nähten geben«, betont sie. »Auch müssen alle Modelle genau den Mustern entsprechen.« Und mit der Gasflamme entfernt sie überstehende Fadenreste.

Seit 1997 arbeitet Csilla in der Stepperei von Progressz mit HANWAG Schuhen. Diese Erfahrung ist ein wichtiger Faktor in ihrer Position. Doch die Liebe zu Schuhen wurde Csilla quasi schon in die Wiege gelegt. Auch ihr Vater war Schuster. »Er hat zu Hause Schuhe repariert und später dann in der Firma hier gearbeitet.«

Nach der Schule hat Csilla eine Ausbildung zur Schuhmacherin absolviert. Damals gab es in Hajdúböszörmény noch mehrere Schuhfabriken. Seit etwa zehn Jahren wird dieser Lehrgang nicht mehr angeboten. Die jüngeren Kolleg:innen von Csilla sind zumeist angelernt.

»Aber sie machen einen super Job«, betont Csilla. »Ich finde nur ganz selten Fehler.« Mehrere hundert Schäfte inspiziert sie pro Tag und verpackt sie für den Versand. Dann übernimmt ihr Mann die Pakete. Denn er arbeitet ebenfalls bei Progressz – als Lagerist.

3 Fragen an Csilla

  • Worauf kommt es in Deinem Job besonders an?

    »Bei der Qualitätskontrolle muss ich sehr aufmerksam sein. Und pünktlich, damit die Schäfte rechtzeitig weiterverarbeitet werden können.«

  • Wofür steht HANWAG für Dich?

    »Meine halbe Familie arbeitet hier oder hat hier gearbeitet. Außerdem merkt man, dass HANWAG sich auch nach 100 Jahren immer noch weiterentwickelt.«

  • Was wünschst Du HANWAG für die nächsten 100 Jahre?

    »Genug Aufträge – damit hier auch noch in 100 Jahren Schuhe gefertigt werden.«

Andrea arbeitet in der sogenannten Vorrichterei. Dort werden die Bauteile der Schuhe vorbereitet. An einer Art Schleifmaschine schärft Andrea Gummiteile.

2 Andrea: »Hier fühlt es sich an wie in einer Familie«

Die Gummistreifen auf Andreas Arbeitstisch werden einmal der Geröllschutz von Trekkingstiefeln. Auf der Schuhkappe von HANWAG Tatras sollen sie das Leder vor allem vor Steinkontakt schützen. In der Stanzerei haben die Gummiteile ihre dreieckige Form mit abgerundeten Ecken bekommen. Jetzt muss Andrea sie an einer Art Schleifmaschine schärfen. So nennt man das Abflachen der Ränder, damit die Gummiteile weiterverarbeitet werden können. Zwei Sekunden braucht Andrea pro Teil. Es sieht nach einer monotonen Arbeit aus. Aber das stört Andrea nicht.

»Ich bearbeite Teile aus verschiedenen Materialien für verschiedene Schuhmodelle«, erklärt Andrea. Ihr Job in der sogenannten Vorrichterei sei also durchaus abwechslungsreich. Vereinfacht gesagt, bereitet die Vorrichterei die zahllosen kleinen Leder-, Gummi- oder Schaumstoffteile für die Weiterverabeitung in der Stepperei oder im Bodenbau vor. »Diese Gummiteile zum Beispiel brauchen an den Rändern genau die richtige Stärke. Nicht zu dünn und nicht zu dick.«

Seit 1990 arbeitet Andrea in der Schuhindustrie und seit 1993 bei Progressz. »Es ist schön, dass wir hier so technische Schuhe fertigen, denn darin sind wir Spezialisten«, sagt die 48-Jährige. In der Fabrikhalle geht es turbulent und manchmal auch laut zu. Aber Andrea stört das nicht. Im Gegenteil: »Wir kennen einander meist seit vielen Jahren. Und wenn wir so eng zusammenarbeiten, fühlt es sich manchmal an wie eine große Familie.«

3 Fragen an Andrea

  • Worauf kommt es in Deinem Job besonders an?

    »Es ist nicht leicht, bei der Vielzahl der Einzelteile immer gleich genau zu arbeiten. Das erfordert viel Konzentration und Erfahrung.«

  • Wofür steht HANWAG für Dich?

    »Auch mein Mann arbeitet hier. Die Firma sichert uns einen Lebensunterhalt und gibt uns Sicherheit in diesen Zeiten.«

  • Was wünschst Du HANWAG für die nächsten 100 Jahre?

    »Ich wünsche HANWAG alles Gute – und dass die Firma die hohe Qualität immer beibehalten kann.«

3 Robert sorgt für die perfekte Passform

Robert verkörpert die wichtigste Produktionsart von HANWAG Schuhen. An zwei beeindruckenden Maschinen erledigt er das Klebezwicken. (–> Mehr erfahren: Unsere Macharten) »Dieser Produktionsschritt ist ganz entscheidend für die Passform des Schuhs», erklärt Robert. »Denn im Schuhschaft steckt ja der Leisten. Und beim Zwicken wird das Leder um den Leisten herum in Form gebracht.« Die eine Zwickmaschine bringt den Vorderschuh in Form, die andere den hinteren Teil.

Seit 1983 arbeitet Robert in der Schuhindustrie. »Wir hatten in der Schule mal eine Firmenbesichtigung gemacht«, erzählt er. »Davon war ich so beeindruckt, dass ich mich für eine Ausbildung zum Schuhmacher entschieden habe.« Bei seiner ersten Firma hat er Reiterstiefel gefertigt, auch die waren klebegezwickt. Seit 2015 arbeitet Robert bei Progressz und bringt HANWAG Schuhe in Form.

Zurzeit arbeitet er mit vier verschiedenen HANWAG Leisten, die den Schuhen – entsprechend der Fußform – eine spezielle Passform geben: Normal, Wide (für breite Füße), Narrow (für schmale Füße) und Bunion (für Füße mit Hallux Valgus). Und das in zig Größen.

»Ein weiterer Vorteil von gezwickten Schuhen ist, dass man sie neu besohlen kann», weiß der 52-Jährige. »So kann man seine gut eingelaufenen Schuhe viele, viele Jahre lang behalten.«

Rund 125 Paar Schuhe zwickt Robert pro Tag. Hinzu kommen einige, bei denen er die Laufsohle anklebt. Hochwertige Schuhe haben ihn sein gesamtes Arbeitsleben begleitet. »Und von mir aus kann es ruhig bis zur Rente so weitergehen.«

3 Fragen an Robert

  • Worauf kommt es in Deinem Job besonders an?

    »Neben Kraft und Qualitätsbewusstsein braucht man in meinem Job auch technisches Verständnis. Denn ich muss die Zwickmaschine für jeden Leisten neu einrichten.«

  • Wofür steht HANWAG für Dich?

    »Für große Qualität und hochwertige Schuhe.«

  • Was wünschst Du HANWAG für die nächsten 100 Jahre?

    »Noch einmal 100 erfolgreiche Jahre!«

Timea hat als Näherin angefangen. Heute bedient sie eine Hightech-Maschine.

4 Timea: »Hier kann ich mich weiterentwickeln«

Im Gegensatz zu den teils altgedienten Nähmaschinen und monströsen Zwickmaschinen wirkt das Arbeitsgerät von Timea wie High-tech. Über einen Bildschirm steuert sie die Stickmaschine. Ein Klick, schon legen die fünf Maschinenköpfe los und sticken das HANWAG Logo in Lederteile, die Timea zuvor millimetergenau auf eine Art Tablett gelegt hatte.

»Ja, die Maschine ist technisch schon etwas anspruchsvoll«, sagt Timea. »Aber ich komme damit gut klar und kann die meisten Problemchen selbst beheben.« Angefangen hat Timea 1999 als Näherin. »Eigentlich hatte ich damals meine Mutter begleitet, weil sie hier Arbeit gesucht hat. Als der Chef hörte, dass ich zuvor in der Textilindustrie gearbeitet hatte, fragte er mich, ob ich mal die Zick-Zack-Maschine ausprobieren möchte. Zwei Probetage später hatte ich den Job, meine Mutter leider nicht.«

Von der Nähmaschine über die Schweißmaschine für Gore-Tex-Innenfutter hat sich Timea bis zur Stickmaschine hochgearbeitet. »Mir gefällt, dass ich mich hier weiterentwickeln kann”, sagt die 43-Jährige. Bei aller Liebe zur Elektronik genießt sie aber auch immer noch den Kontakt mit Leder. »Das ist ein wunderschönes Material. Ich hantiere gerne damit. Besonders, wenn es so schön bearbeitet ist wie hier bei den HANWAG Schuhen.«

3 Fragen an Timea

  • Worauf kommt es in Deinem Job besonders an?

    »Ich muss bei meiner Arbeit genau aufpassen und auf Qualität achten. Und möglichst wenige Reparaturen verursachen.«

  • Wofür steht HANWAG für Dich?

    »Meine Arbeitsstelle seit 21 Jahren.«

  • Was wünschst Du HANWAG für die nächsten 100 Jahre?

    »Ich wünsche HANWAG sehr viele hochwertige Schuhe und sehr viele Bestellungen.«

Der ›Made in Europe‹-Roadtrip geht weiter: zu den Zwiegenähten aus Schwaben

Im Video: So läuft unsere Schuhproduktion

Schreibe einen Kommentar

Zurück nach oben