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Irgendwann während des Gesprächs fängt Jenny Bertram an zu schwärmen, wie das damals war in ihrer Kindheit. Und wie sie da so durch die Zeit reist und redet und schmunzelt, reißt sie ihr Gegenüber mit, obwohl ein ganzer Ozean und ein paar Tausend Landkilometer zwischen den Bildschirmen in Boulder, USA, und am Hanwag Stammsitz in Vierkirchen, Deutschland, liegen. Also Jennys Kindheit: Weltreise, Zeitreise, Wisconsin, große Seen, weiße Strände und gleich daneben, alles ganz schön abgeschieden, der endlos tiefe Wald – im Kopfkino entsteht eine Art Auenland. Sie rannte durch den Wald, »ich war vielleicht sieben«, sagt Jenny fröhlich, sie sei ein »fast elfenhaftes kleines Kind« gewesen, gleichzeitig auch roh und wild. Sie hüpfte über Steine, hörte das Brummen der Hummeln und das Röhren der Ochsenfrösche, das Summen der Moskitos, und sie sah die Sonnenstrahlen. »Ich wusste nicht, dass es da draußen eine andere Welt gab«, sagt sie. Es interessierte sie auch nicht. »Ich wollte immer nur draußen sein.«

Jenny läuft heute noch immer durch die Wälder, etwas weiter westlich zwar, im Rocky-Mountains-Staat Colorado, und inzwischen ist sie auch jenseits der 50. Aber im Grunde hat sie das Kind in sich nie aufgegeben. Sie sagt das selbst so ähnlich: »Ich bringe das immer noch in mein Leben ein.« Sie sei auch immer noch oft wild und ein wenig roh, auch wenn man ihr das auf den ersten Blick nicht so recht glauben mag. Sie meint, das gehöre einfach dazu: »Da ist dieses Barbarische in uns allen.«

Das große Ganze im Blick

Die Reise in ihre Kindheit und zurück ist auch eine mit persönlichen Schicksalsschlägen und vor allem geprägt vom Studium des Lebens und dem Lernen an sich. Sie erzählt vom Tod des besten Freundes und einer persönlichen stressbedingten »Gesundheitskrise« im jungen Alter. Immer ging es ihr fortan darum, das große Ganze zu begreifen statt nur kleiner Ausschnitte: warum beispielsweise Menschen krank werden, und dass manches auch in einer kaputten Seele beginnen kann. Wer wie sie ganzheitlich denken will, ist ständig am Studieren, ist ständig am Sammeln von Wissen. Sie sagt: »Ich mag es, tief einzutauchen« – wobei ihre Sätze generell häufig mit »Ich mag« oder »Ich liebe« beginnen. Noch so ein Satz lautet: »Ich liebe die alten Texte und altüberlieferten Geschichten.«

»Ich gebe mich gerne der Natur hin. Sie lehrt uns alles.«

Jenny Bertram
Nichts anderes sein als man selbst – ohne Make-Up, ohne Abendkleid. Das ist es, was Jenny schätzt, wenn sie in den Wäldern nahe ihrem Wohnort Boulder in Colorado unterwegs ist.

Zwei Universitätsabschlüsse hat Jenny folglich angesammelt, einen Master in traditioneller Chinesischer Medizin und einen Master of Divinity in Buddhist Studies, was sich mit buddhistischer Lehre übersetzen ließe. Hinzu kamen etliche Jahre der Praxis und Zusatzausbildungen, etwa zu den fünf Säulen der Chinesischen Medizin und ihren diversen Elementen, von Akupunktur über die Ernährungslehre bis Meditation. Derzeit konzentriert sie sich auf ihre Rolle als Qigong-Lehrerin.

Aber wieso über Abschlüsse und Titel und Ausbildungen reden, wenn da draußen die Natur wartet mit ihren Wäldern und Bergen und Gewässern! »Ich gebe mich gerne der Natur hin. Sie lehrt uns alles«, sagt Jenny.

Mindestens drei- bis viermal pro Woche gehe sie deshalb wandern und auch sonst sei die Natur nicht weit entfernt. Beim Qigong etwa bewege man den Körper »wie einen Fluss, wie einen Tiger, wie einen Bambus im Wind«. Und wie sie da so redet, nimmt sie einen wieder mit, führt einen zu sich selbst und hinauf in die Berge, obwohl sie weit entfernt vor einem Bildschirm in Boulder sitzt.

5 Fragen an Jenny

Du lebst im Herzen der Vereinigten Staaten. Dreht sich bei Dir alles nur noch um die Berge? Oder gefällt Dir das Meer eigentlich auch?

Ich brauche unbedingt Wasser! Ich bin ja an den Great Lakes von Wisconsin quasi am Wasser aufgewachsen und lebte einen schönen Abschnitt meines Lebens am Pazifik. Heute, als Mountain Girl in den ikonischen Rockies, liebe ich Bergbäche und -seen – sogar noch mehr als den riesigen Ozean.

Was ist Dein Lieblingsort zum Wandern? Gibt es da eine spezielle Gegend nahe deinem Wohnsitz Boulder?

Die Indian Peaks Wilderness kenne ich wie meine Westentasche. Es gibt dort auch einige Pfade, die nicht auf Karten eingezeichnet sind, und geheime Orte mit Almweiden, wunderschönen Bergseen und alten Wasserspeichern. Das sind meine Plätze, irgendwo im Hinterland, mindestens fünf Meilen von der Zivilisation entfernt, wo Du wirklich eins mit der Natur sein kannst.

Dein Spitzname lautet J-Bird. Warum?

Schon als Kind nannten mich einige meiner Freunde J-Bird. Denn ich hatte schon immer die Energie eines Vogels, eines ziemlich kleinen, flog oft alleine umher. Heute zieren Tattoos von Vögeln meinen ganzen Körper, und offenbar habe ich diese spirituelle Verbindung mit meinen gefiederten Freunden: Sie kommen immer zu mir, sogar die Adler. Ich bin von ihnen umgeben. Ich finde das großartig.

Du nennst Dich selbst einen echten »Punk-Rocker«. Was bedeutet das für Dich?

Ich bin auch deshalb gerne in den Wäldern unterwegs, weil ich dort kein Make-Up oder Abendkleid tragen muss; ich nichts anderes sein kann als ich selbst. Das ist Punkrock. Natur ist Punkrock: krass, großartig, wunderschön – und dreckig. Außerdem: Musik ist ein großer Teil meines Lebens. Ich liebe Live-Musik, ich liebe poetische Old-School-Punkmusik wie von Patti Smith, The Replacements oder Sonic Youth. Sie füllt uns mit Harmonie – und man kann einfach loslassen. Wie in der Natur.

Wenn Du Dich für ein Transportmittel entscheiden müsstest: Auto? Fahrrad? Oder einfach Deine Füße?

Ich würde mich fürs Gehen entscheiden. Ich mag die Geschwindigkeit des Wanderns; ich mag es, einen Rucksack zu tragen. Mein Mann ist ein begeisterter Radfahrer, und ich gönne ihm das. Aber ich würde immer zu Fuß gehen, selbst wenn es etliche Meilen sind. Ich mag es, mein Leben zu entschleunigen.

Hanwag Lhasa II Lady

Jennys Lieblingsschuh: HANWAG Lhasa II Lady

»Ich liebe meinen Lhasa: Die Flexibilität an der Ferse, die Beständigkeit des Yak-Leders. Es ist ein sehr robuster Stiefel für die steinigen Trails in den Rockies – und nicht sonderlich schwer. Für mich der perfekte Wanderschuh.«

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