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  1. Von A bis D: die Wanderschuh-Kategorien
  2. Die Wanderschuh-Kategorien im Überblick
  3. Sonderfall: Bergschuhe der Kategorie C
  4. Was sind eigentlich leichte Wanderschuhe?
  5. Fazit: Welche Wanderschuhe sind die richtigen?

»Ich kaufe mir neue Wanderschuhe.« Das sagt sich so einfach. Und dann steht man im Laden oder sitzt vor dem Webshop und ist schnell überfordert von der riesigen Auswahl. Es gibt leichte Wanderschuhe und leichte Trekkingschuhe, flache, halbhohe und hohe Modelle – und überhaupt: Was sind Hikingschuhe?

Wir wollen hier nicht allzu tief in die Wanderschuh-Wissenschaft einsteigen (obwohl wir es als Schuhhersteller könnten ;-). Vielmehr möchten wir Dir einen möglichst verständlichen Überblick über die wichtigsten Wanderschuh-Arten geben.

Was die Sache ein klein wenig verkompliziert: Viele Hersteller haben ihre eigene Wortwahl. Was für den einen ein Hikingschuh ist, ist für den anderen ein Wanderschuh. Ähnlich bei manchen Händlern: Was der eine als leichte Trekkingschuhe verkauft, sind für den anderen leichte Bergschuhe.

Aber auf eines können sich fast alle einigen: das gängige System der Wanderschuh-Kategorien.

Bergiges Gelände mit mittelschwerem Gepäck: Gut unterwegs mit Trekkingstiefeln der Kategorie B/C.

1 Von A bis D: die Wanderschuh-Kategorien

Traditionell unterscheidet man Wander- und Bergschuhe in die Kategorien A bis D. Manche Modelle passen in zwei Kategorien oder bewegen sich irgendwo dazwischen. Deshalb sind auch überschneidende Bezeichnungen möglich.

Hauptkriterium für diese Kategorisierung ist die Torsionssteifigkeit der Sohle – also wie leicht oder schwer sie sich längs und seitlich verbiegen lässt. Die Bandbreite reicht von sehr flexibel (Freizeitschuhe der Kategorie A) bis hin zu extrem steif (Bergschuhe der Kategorie D).

Je flexibler die Sohle, desto leichter rollt sie ab. Das erhöht den Gehkomfort. Und umgekehrt: Je steifer die Sohle, desto besseren Halt und Stabilität bietet sie. Das verschafft Trittsicherheit auf holprigen Wegen mit Wurzeln oder größeren Steinen.

»Faustregel für Wanderschuhe und Bergstiefel: Je anspruchsvoller das Gelände, desto steifer sollte die Sohle sein.«

Patrick Wolf, HANWAG Vertrieb Deutschland
Ein schmaler Trail in anspruchsvollerem Gelände: Hier sind Wanderschuhe der Kategorie B angebracht.

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Für die Charaktereigenschaften eines Outdoorschuhs spielen jedoch weitere Faktoren eine Rolle wie etwa die Höhe und Beweglichkeit des Schafts. Hinzu kommen persönliche Merkmale des/der Schuhträgers/in wie etwa die Trittsicherheit, die individuelle Physiologie oder das Gewicht des mitgeführten Gepäcks.

Deshalb ergänzen wir die Wanderschuh-Kategorien um sechs Einsatzbereiche:

  • Travel (Reise)
  • Hiking (Wandern)
  • Trek Light (einfacheres Weitwandern)
  • Trekking (anspruchsvolles Weitwandern)
  • Alpine (Bergsteigen)
  • Rock (felsiges Gelände)

2 Die Wanderschuh-Kategorien im Überblick

Kategorie
Haupt-Merkmale
Einsatzbereich
Touren
Beispiele

A

  • sehr flexible Sohle
  • niedriger Schaft (Low-cut- oder Halbschuhe)
  • sehr weiches/flexibles Obermaterial, meist Synthetik
  • Travel/Hiking

Gelände:

  • Asphalt
  • befestigte Schotterwege
  • Parks
  • Spaziergänge
  • kurze Wanderungen auf guten Wegen mit leichtem Gepäck

Beispiel: Städtetripp nach Stockholm

A/B

  • flexible Sohle
  • niedriger oder mittelhoher Schaft
  • hohe Beweglichkeit des Schafts
  • flexibles Obermaterial, meist mehr Synthetik als Leder
  • Hiking/Travel

Gelände:

  • befestigte und unbefestigte Schotterwege
  • gemäßigte Wanderwege im Flachland, Mittelgebirge oder den Voralpen
  • Halbtages- oder Tages- Wanderungen mit leichtem Gepäck

Beispiel: Wanderung auf den Feldberg im Schwarzwald

B

  • Sohle mit gutem Kompromiss aus Flexibilität (gutes Abrollen) und Steifigkeit (für schwierige Wege)
  • mittelhoher oder hoher Schaft mit gutem Kompromiss aus Beweglichkeit und gutem Halt
  • gleichermaßen flexibles wie stabilisierendes Obermaterial, oft Leder/Synthetik-Mix
  • Hiking/Trek Light/Trekking

Gelände:

  • gemäßigte und anspruchsvollere Wanderwege im Mittelgebirge oder in den Alpen
  • wurzelige und steinige Pfade
  • Tageswanderungen
  • Weitwanderungen mit leichtem Gepäck
  • Bergtouren mit leichtem Gepäck

Beispiel: Jakobsweg mit leichtem Gepäck

B/C

  • Sohle mit hoher Steifigkeit und guter Dämpfung
  • hoher Schaft für Stabilität im Sprunggelenk
  • robustes und stabilisierendes Obermaterial, meist Leder
  • Trekking/Alpine

Gelände:

  • wurzelige und steinige Pfade
  • gemäßigtes alpines Gelände
  • Weitwanderungen auch mit schwerem Gepäck und durch bergiges Gelände oder wegloses Gelände
  • Bergtouren bis hin zu Gebirgsdurchquerungen

Beispiele: Trekkingtour auf dem Kungsleden oder durch wegloses Terrain wie im Sarek (beides Schweden)

C

  • alpine Steige
  • Klettersteige
  • leichte Kletterrouten
  • Rock/Alpine

Gelände:

  • alpine Steige
  • Klettersteige
  • leichte Kletterrouten
  • Klettersteig-Begehungen
  • Hochgebirgstouren mit hohem Felsanteil

Beispiele:

  • flacher Schaft: Tagestour an Sportklettersteig (z.B. Pidinger Klettersteig, D)
  • hoher Schaft: alpine und längere Klettersteigtour (z.B. Via delle Bocchette, I)

C/D

  • sehr steife Sohle
  • hoher und stabiler Schaft
  • robustes und stabilisierendes Obermaterial
  • voll steigeisenfest
  • Alpine/Rock

Gelände:

  • alpine Steige
  • Gletscher
  • leichte Klettereien
  • Hochgebirgstouren
  • Hochtouren im vergletscherten Gelände
  • Hochgebirgs-Trekking

Beispiel: Kilimandscharo-Besteigung

D

  • extrem steife Sohle
  • sehr hoher und stabiler Schaft
  • dickes und sehr stabiles Obermaterial
  • isoliert gegen extreme Kälte
  • voll steigeisenfest
  • Alpine

Gelände:

  • alpine Steige
  • Fels und Eis
  • Gletscher
  • anspruchsvolle Gletscher- und Gipfeltouren in extremen Höhen
  • Hochgebirgs-Expeditionen

Beispiel: Aconcagua (Argentinien) oder auch Westalpen

Trittpräzision am Fels: Das ist die Domäne von Bergschuhen der Kategorie C.

3 Sonderfall: Bergschuhe der Kategorie C

Beim flüchtigen Blick auf die Tabelle könnte man meinen: Je höher die Schuhkategorie, desto höher der Schaft. Doch Bergschuhe der Kategorie C machen eine Ausnahme. Sie gibt es auch mit niedrigem Schaft. Warum? Weil sie für den Zustieg zum Kletterfels gedacht sind (Zustiegs- oder Approach-Schuhe) sowie auch zum Klettern selbst wie zum Beispiel an einem Klettersteig.

Beim Klettern ist eine hohe Bewegungsfreiheit im Sprunggelenk wichtiger als ein Schutz vor Umknicken. Deshalb bevorzugen manche Klettersteig-GeherInnen einen Halbschuh, der den Knöchel frei lässt.

Bergschuhe der Kategorie C haben jedoch eine sehr steife Sohle – für bestmögliche Trittpräzision beim Klettern am Fels. Das unterscheidet sie von ihren flachen Kollegen der Kategorien A und A/B: Solch’ leichte Wanderschuhe haben in der Regel eine weiche Sohle für maximalen Gehkomfort.

Außerdem werden Bergschuhe der Kategorie C meist so gekauft, dass sie eng am Fuß anliegen. Denn auch das ist wichtig für ein präzises Klettern.

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Leichte Bergschuhe der Kategorie C wiegen mitunter weniger als ein Trek-Light-Stiefel der Kategorie A/B.

4 Was sind eigentlich leichte Wanderschuhe?

Immer mehr Wanderer:innen oder Bergsteiger:innen wünschen sich leichte Wanderschuhe oder leichte Bergschuhe. Im Prinzip ist das verständlich. Denn die Schuhe müssen wir bei jedem Schritt anheben und nach vorne versetzen. Jedes überschüssige Gramm an den Füßen kostet mehr Körner als etwa im Rucksack.

Und so werden die Gewichtsangaben der Modelle für immer mehr Menschen zu einem der wichtigsten Entscheidungskriterien. Der Einsatzbereich scheint auf der Hand zu liegen: Leichte Wanderschuhe für leichte Wanderungen – oder etwa nicht?

Der bloße Blick auf die Waage kann täuschen. Denn: Ein klassischer Trek-Light-Stiefel mit Lederschaft (Kategorie A/B) kann mehr wiegen als ein alpiner Kletterstiefel (Kategorie C). Zwei Gründe: Das Schaftmaterial von Kletterstiefeln hat oft einen hohen Anteil an Synthetik (leichter als Leder). Und ihre Sohle ist zwar sehr steif, aber auch sehr dünn (und weniger gedämpft).

Das Gewicht ist also nur einer von vielen Faktoren, wenn Du Dich abschließend fragst: Welche Wanderschuhe sind denn nun die richtigen für mich?

5 Fazit: Welche Wanderschuhe sind die richtigen?

Du kennst nun die Wanderschuh-Kategorien als wichtigste Unterscheidungshilfe für die verschiedenen Wanderschuh-Arten. Und natürlich spielen bei der Suche nach dem für Dich passenden Modell eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle:

  • die Konstruktion des Schuhs – zum Beispiel die Höhe des Schafts;
  • die Ausstattung des Schuhs – zum Beispiel ein Gummirand als Rammschutz;
  • das Gewicht des Schuhs – aber Gewicht ist nicht alles;
  • der Einsatzbereich – insbesondere die Wegbeschaffenheit ist hier entscheidend;
  • persönliche Faktoren – wie Trittsicherheit und Fitness;
  • das Gepäck – je schwerer, desto stabiler sollte der Schuh sein;
  • das zu erwartende Wetter – und das sich daraus ableitende Fußklima;
  • das Aussehen der Schuhe – spielt ja auch irgendwie eine Rolle;
  • die Passform – natürlich die Passform! Denn was bringt der beste und schönste Schuh, wenn er nicht passt?

Etwas vergessen? Den Preis vielleicht. Wir von HANWAG bauen Outdoorschuhe aus den besten Materialien und mit den hochwertigsten Fertigungsmethoden. (–> Mehr erfahren: Die Macharten unserer Schuhe)

Zum Schluss noch ein Tipp zu den Wanderschuh-Kategorien: Im Zweifel solltest Du zu einem Modell der nächst höheren Kategorie greifen. Ein »unterdimensionierter« Wanderschuh oder Bergstiefel kann nicht nur Deinen Bewegungsapparat überstrapazieren und zum Beispiel zu Sehnenentzündungen führen. Er kann auch zum Sicherheitsrisiko werden, etwa wenn Du mit schwerem Gepäck im Sprunggelenk umknickst. (–> Mehr erfahren: Finde heraus, welcher Schuh zu Dir passt)

Dann doch lieber etwas over-equipped mit einem gewissen Sicherheitspuffer auf Tour gehen. Wir wünschen Dir viel Spaß da draußen, soweit die Füße tragen!

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