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»Ich hatte quasi nie Sommerferien im Tal«, erzählt Georg Rädler. Mit sieben Jahren war der 34-jährige Bergbauer den ersten ganzen Sommer auf der Alm im Allgäu bei Bad Hindelang. »Es war eine richtig schöne Kindheit.« Seine braunen Augen blicken, gedanklich in die Vergangenheit abschweifend, auf den urigen Holztisch. »Ich glaube, eine bessere Kindheit gibt es gar nicht.« Seitdem ist er jedes Jahr oben, den ganzen Sommer. Während so mancher Flachländler von einem Almsommer – einer Auszeit am Berg, wohnen in einer Almhütte – träumt und die Realität dabei verkennt, lebt Georg diesen Traum. Allerdings, wie er seinen Alltag beschreibt, ist es alles andere als Urlaub auf der Alm. Zeit für Romantik und Träumerei bleibt so viel nicht: Um 5 Uhr aufstehen, die beiden Milchkühe einstallen und melken, Kälber tränken, und nach einem kurzen Frühstück raus und die »restlichen« knapp 50 Stück Aufzuchtvieh auf die Almweiden treiben.

Dann bekommt jedes Tier Georgs persönliche Wellness-Behandlung: allgemeiner Gesundheitszustand, Klauen kontrollieren und ein paar Streicheleinheiten für jeden seiner geliebten Vierbeiner. Das »Vieh richten« erklärt Georg diesen Vorgang mit allgäuerisch-typischen ›sch‹-Lauten und rollendem ›r‹. Anschließend werden die Zäune umgesteckt für die Beweidung der folgenden Tage. Nebenbei wird noch Unkraut gemäht, Büsche werden beschnitten sowie Steine und Altholz von Lawinenabgängen von den Weiden weggeräumt. Am Abend, vor Einbruch der Dunkelheit, treibt Georg seine Rinder zurück aus den steileren Hängen in die Nähe seiner Almhütte. Danach: Feierabend. Den hat der Bergbauer im Hochsommer um 22 Uhr. »Du stehst mit dem ersten Tageslicht auf und gehst mit dem letzten Tageslicht quasi ins Bett.« Dabei legt er täglich im Schnitt um die 2000 Höhenmeter und 15 Kilometer zu Fuß zurück – etwas mehr als eine Almwanderung …

»Für mich sind die Berge Lebensraum.«

Annehmlichkeiten der modernen Welt in der Hütte? »Ein Radio«, sagt Georg – und muss selbst lachen. »Seit letztem Jahr haben wir in einer der drei Hütten sogar ein Klo und eine Dusche.« Gekocht wird – neuerdings – auf einem kleinen, zweiflammigen Gasherd, davor nur mit Holz. Frischwasser kommt aus dem Brunnen vor der Hütte. Entbehrung? »Nein, gar nicht, vielmehr die Magie in der Einfachheit spüren und leben.« So sei er eben aufgewachsen. Als Junghirt war Georg schon immer auf dieser Alm, 2008 hat er sie schließlich selbst gepachtet. Den Hof im Tal in Bad Hindelang, der in elfter Generation von seiner Familie bewirtschaftet wird, hat er 2013 von seinem Vater übernommen.

Sennerei: Gestaltung Lebensraum Berg

Ob er dort oben nicht manchmal einsam sei? »Nein – ich genieße es eigentlich. Es ist ganz schön, wenn du dich mal mit dir selbst auseinandersetzen musst«, sagt Georg. Seine Freundin, Junghirten und Helfer seien auch häufig mit auf der Alm. Dazu fremde Besucher auf Almwanderung. »Und ich habe ja noch das Vieh – ganz alleine bin ich also nie.« Wie steht es mit Freizeit neben der Almbewirtschaftung? Mit Freunden oder seinen beiden Brüdern trifft er sich zum Bergsteigen oder Klettern, »so oft’s halt geht«. Oder musizieren, mit »Ziach« und Gesang.

Beobachtet man Georg bei der Arbeit, mit welcher Hingabe er sich um die Almen, die Weiden und Wege und seine Tiere kümmert, wird schnell klar, das ist weit mehr als nur sein Job. Die »Huimat« – Allgäuerisch für Heimat – und die Familie seien ihm sehr wichtig. Und die Berge? »Für mich sind sie Lebensraum«, sagt er, »in jeder Hinsicht«. Letztendlich seien Bergbauern wie er doch auch Landschaftspfleger. »Es geht vor allem auch darum, eine Kulturlandschaft in den Bergen zu erhalten, die die Menschen in mühevoller Arbeit geschaffen haben.

Mit fairen Mitteln.« Durch die Beweidung der Almen werden lange, dominante Gräser zurückgedrängt, zahlreiche wilde Bergblumen können so erst gedeihen. Essenziell für die Artenvielfalt. Wenn es die Sennerei nicht mehr gäbe, würden sich Bergwald und Büsche die Landschaft schnell zurückholen – die Schönheit der Almen würde vergehen. Georg Rädler hat sich für dieses Leben entschieden – und genießt, das spürt man, jede Minute in seinem Naturparadies. »Mit den Jahreszeiten zu leben, die Kraft und Stärke der Natur zu erleben, das fasziniert mich total«, erzählt er mit leuchtenden Augen. »Und das alles in unglaublicher landschaftlicher Kulisse.«

5 Fragen an Georg:

Bist Du schon einmal woanders hingereist – und wenn ja, wo war es am schönsten?

Das Schönste am Wegfahren ist das Heimkommen. Ich war schon einmal in Westkanada zum Skitourengehen und Eisklettern, das war schon beeindruckend. Und in Italien – zum Beispiel Südtirol – und Frankreich war ich auch schon einige Male. Aber einfach mitzubekommen, wenn hier im Sommer das Vieh zum ersten Mal auf die Hochweiden kommt und sich an der Freiheit hier oben erfreut, das ist einfach unbeschreiblich schön.

Hast Du – neben dem Beruf – ein bestimmtes Hobby?

Ja, doch. Bergsteigen, Klettern, Skitourengehen. Und ich engagiere mich hier im Ort in der Plattlergruppe im Trachtenverein, bei der Freiwilligen Feuerwehr und im Hornerverein.

Welches ist Dein Lieblingsgericht und welches Getränk dazu?

Kässpatz’n und dazu eine Halbe Bier.

Hast Du einen Traumberuf?

Auf jeden Fall. Sogar mehr Berufung als Beruf.

Welchen Lebenstraum möchtest Du Dir noch einmal erfüllen?

Ich würde gerne die komplette Produktveredelungskette – sprich Lebensmittelerzeugung – im eigenen Betrieb haben.

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Georgs Lieblings-Schuh: HANWAG Alaska GTX

»Vom Einsatzbereich ist der Alaska GTX ein maximal flexibler Schuh. Er lässt sich über lange Zeit komfortabel tragen, ist robust und trotzdem leichtläufig.«
(Georg Rädler)

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