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Kennt sich aus in der Natur: Dr. Ariane Schmidt ist Jagdausbilderin, Expertin für Umweltbildung und Leiterin der Jagdschule Edelweiss. Neben Kursen zum Erwerb des Jagdscheins veranstaltet die 41-Jährige auch Naturexkursionen für Kinder und Erwachsene.

Auf leisen Sohlen in der Natur unterwegs – das ist bei der Jagd gleichermaßen wichtig wie bei der Tierfotografie. Dr. Ariane Schmidt von der Natur- und Jagdschule Edelweiss kennt sich mit Anschleichen aus. Hier ihre wichtigsten Tipps für die Foto-Pirsch oder auch für die Jagd.

Der Mensch ist ein Jäger und Sammler – seit mindestens 2,5 Millionen Jahren. »Ein bisschen davon steckt immer noch in uns«, sagt Ariane. Einst war die Jagd überlebenswichtig. Heute ist sie für die meisten eher ein Hobby.

Für viele ist die Pirsch ein Ausgleich zum hektischen Alltag. Ein Weg, den Zauber der Langsamkeit neu zu entdecken – egal ob mit dem Gewehr, mit Kamera und Teleobjektiv oder mit einem Feldstecher.

Ariane erzählt, wie sie sich kürzlich in ihrem Revier an einen Fuchs herangepirscht hat. Nicht um ihn zu schießen, sondern um ihm eine halbe Stunde lang dabei zuzusehen, wie er nach Mäusen buddelt – nur 20 Meter von ihr entfernt. »So etwas erlebst Du nur, wenn Du sehr langsam und leise unterwegs bist.«

  1. Vorbereitung: die richtige Kleidung
  2. Die richtigen Pirsch-Schuhe oder Jagdschuhe
  3. Tipps für Pirsch- und Jagdschuhe
  4. Vor der Foto-Pirsch: die Planung zuhause
  5. Trainieren der Gehtechnik
  6. Erfolg auf der Pirsch
  7. Das richtige Verhalten auf der Pirsch

1 Vorbereitung: die richtige Kleidung

Kamera, Fernglas oder Flinte sind sozusagen die Hardware für die Pirsch. Aber auch bei der Software gibt es einiges zu beachten. Ganz wichtig: die richtige Kleidung.

Wenn Ariane in ihrer selbstgefertigten Wollkleidung durch den Wald streift, sieht sie ein bisschen aus wie Catweazle – und muss über sich selbst lachen: »Ja, mein Auftritt ist dann ziemlich merkwürdig.« Aber ihr Aussehen hat Gründe. »Natürliche Materialien wie Wolle machen beim Tragen kaum Geräusche«, erklärt sie. Kunstfaserstoffe sind zwar funktionell, aber sie rascheln mehr oder weniger stark. Prinzipiell empfiehlt Ariane leise Materialien wie Loden oder, wenn schon Kunstfaser, dann weiche Fleece-Stoffe.

Auch der Schnitt spielt eine Rolle. Arianes Tipp: »Die Hosenbeine sollten möglichst nicht aneinander scheuern. Denn das hört man.«

»Natürliche Materialien wie Wolle machen beim Tragen kaum Geräusche.«

Naturpädagogin Dr. Ariane Schmidt
Christian Wittig ist Marketing-Chef von HANWAG – und Jäger. Auch er setzt bei der Pirsch auf geräuscharme Bekleidung mit einem hohen Naturfaseranteil.

Auf Foto-Pirsch oder bei der Jagd will man nicht nur nicht gehört werden. Am liebsten wäre man auch für die Tiere unsichtbar. Dabei hilft die richtige Farbwahl. Zwar sind gedeckte Brauntöne der Klassiker für Tarnkleidung. Aber Ariane macht Mut zur Farbe. »Wildtiere nehmen Farben anders wahr als wir Menschen.« Wobei es auch zwischen den Tierarten Unterschiede gibt:

  • Während Menschen Rot oder Orange als Warnfarbe wahrnehmen, sind es beim Wild die Blautöne. Blaue Kleidung geht also gar nicht.
  • Einem Artikel im Deutschen Jagdblog zufolge, sieht Schalenwild (dazu gehören Rehe, Hirsche oder auch Gämsen) auch Grüntöne sehr gut. Für rotes Licht haben diese Tiere hingegen keine Rezeptoren im Auge.
  • Flugwild hingegen besitzt Rezeptoren für Rottöne. Wer es bei der Tierfotografie auf Enten abgesehen hat, sollte auf rote Kleidung also verzichten.

Noch wichtiger als die Farbgebung: Die Tarnkleidung sollte sich im Kontrast möglichst wenig von der Umgebung abheben. Also:

  • Helle Bekleidung für helle Umgebung wie Schnee oder hellen Sand.
  • Dunkle Bekleidung für dunkle Umgebung.
  • Stark/wenig strukturierte Kleidung für stark/wenig strukturiertes Terrain.

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2 Die richtigen Pirsch-Schuhe oder Jagdschuhe

Auch bei der Schuhwahl pirscht Ariane auf unkonventionellen Pfaden. Ihre selbstgenähten Schuhe mit einer glatten Laufsohle aus Leder erlauben es ihr, den Boden sehr sensibel zu erspüren und wirklich ganz, ganz leise zu treten. Wie in Winnetous Mokassins. »Doch Vorsicht!«, warnt die Jagdausbilderin. Rostige Nägel, Wurzelwerk oder spitzes, scharfkantiges Holz können die dünne Sohle leicht durchdringen. Und auch vor dem Umknicken bieten diese leichten Treter wenig Schutz.

Ein guter Kompromiss ist ein stabiler Schuh mit griffiger Sohle, die ausreichendes Gespür für den Untergrund zulässt. »Im Idealfall sollte man den Boden durch die Sohle spüren«, rät Ariane. Ob solider Bergschuh oder leichter Wanderschuh, hängt natürlich auch vom Terrain ab, in dem Du Dich bewegst. Bei der Pirsch auf Steinböcke im felsigen Hochgebirge ist ein stabilerer Schuh ratsam als in den Moorlandschaften der Mecklenburger Seenplatte.

In matschigen Marschen oder bei Regenwetter ist zudem eine gute Wasserdichtigkeit von Vorteil. Denn nasse Füße führen beim Ansitzen schnell zu kalten Zehen. Ein weiterer Aspekt: das Gepäck. Je schwerer es ist, desto mehr Stabilität sollte der Schuh geben.

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Die Ausrüstung für die Foto-Pirsch oder für die Jagd sollte ebenso unauffällig wie funktionell sein – bei jedem Wetter.

3 Tipps für Pirsch- und Jagdschuhe

Hast Du Dich für ein Schuhmodell entschieden, kannst Du es mit folgenden Tipps für die Pirsch und die Jagd optimieren:

  • Schuhe einlaufen: Dadurch wird der Pirsch- oder Jagdschuh geschmeidiger und Du bekommst ein gutes Gefühl für den Schuh – wichtig, um möglichst lautlos zu pirschen. (–> So geht Wanderschuhe einlaufen).
  • Jagdschuhe wachsen: Lederschuhe solltest Du regelmäßig mit Schuhwachs einfetten. (–> Alles über die richtige Schuhpflege) So vermeidest Du, dass sie knarren.
  • Schnürsenkel kurz halten: Binde die Schnürsenkel so, dass sie nicht herumschlackern. Denn herumbaumelnde Bänder verursachen Geräusche. Die können auch entstehen, wenn sich die Schnürsenkel an Zweigen am Boden verhaken. (–> Wanderschuhe richtig schnüren)

Was für die Kleidung und für die Schuhe gilt, gilt auch für den Rest der Ausrüstung zur Tierbeobachtung oder zur Jagd. Sie sollte, neben ihrer Grundfunktion, ein Ziel verfolgen: möglichst keine ungewollten Geräusche produzieren und optisch nicht ins Auge stechen. Vermeide deshalb auf Foto-Pirsch einen auffälligen und rascheligen Rucksack mit vielen Schnallen. Für Pirscher gilt: Das Ohr kauft mit.

Und: Tiere scheuen nicht nur vor menschlichen Geräuschen zurück, sondern auch vor Gerüchen. Deshalb sollte man seine Pirsch- oder Jagdkleidung mit parfümfreiem Waschmittel waschen – und sich selbst zumindest unmittelbar vor der Pirsch mit möglichst unaufdringlichen Körperpflegeprodukten. Frisch einparfümiert auf die Pirsch? Keine gute Idee. Da rümpft der Hase die Nase.

Im Wald oder im freien Feld? Eine gute Planung ist die halbe Miete für eine erfolgreiche Pirsch.

4 Vor der Foto-Pirsch: die Planung zuhause

Nun hast Du die Ausrüstung zum Pirschen zusammen – Zeit, die konkrete Pirsch vorzubereiten. Pirsch-Profis planen ihre Touren oft bis ins letzte Detail. »In jedem Fall lohnt es sich, sich schon zu Hause ein paar Gedanken zu machen«, rät Ariane.

  • Das Timing: Möchtest Du ein bestimmtes Tier beobachten oder jagen? Jede Art hat ihren eigenen Lebens- oder Tageszyklus. Rehe sind tagaktiv und müssen alle zwei bis drei Stunden äsen. Wildschweine hingegen ruhen tagsüber in ihren Einständen. Recherchiere also vorab die Verhaltensmuster Deiner Wunschtiere. In der Regel eignen sich die frühen Morgen- und Abendstunden am besten. Die aktuellen Zeiten für Sonnenaufgang und -untergang findest Du im Netz.
  • Die Tourenplanung: Überlege, welche Strecke Du auf der Pirsch zurücklegen möchtest und wie viel Zeit und Vorlauf Du dafür benötigst.
  • Wind und Wetter: Bei Sturm und Schneefall bleiben auch Wildtiere lieber in Deckung oder in ihrem Bau. Ein freundlicher, nicht zu kalter und nicht zu heißer Tag verspricht mehr Aussicht auf Erfolg. Ein ganz entscheidender Faktor ist der Wind. Gepirscht wird immer gegen den Wind, damit die Tiere uns nicht so leicht hören und riechen können. Plane möglichst schon im Vorfeld die Pirschroute entsprechend. Eine Windvorhersage findest Du zum Beispiel beim Agrarwetter.
  • Ruhige Ausrüstung: Vermeide schon beim Packen mögliche Krachmacher wie etwa Alufolie zum Verpacken der Brotzeit. Die Bierflasche mit dem ploppenden Bügelverschluss bleibt ebenso zuhause wie die Sprudelflasche – zisch.

 

5 Trainieren der Gehtechnik

Wenn Du auf Pirsch gehst, solltest Du zum Leisetreter werden. Eine geräuschlose Gehtechnik kannst Du schon zu Hause üben. »Das Ziel besteht darin, mit den Füßen zu fühlen«, erklärt Ariane. Entwickle also ein Gefühl dafür, wie Du die Füße am besten aufsetzt und welche Geschwindigkeit nötig ist, um Dich möglichst leise fortzubewegen.

Eine ›Trockenübung‹ für daheim: Trete möglichst lautlos auf zerknülltes Zeitungspapier, rolle vorsichtig über verstreute Legosteine ab und versuche, auf kiesigem Grund zu schleichen. Langsamkeit ist dabei das A und O.

Eine natürliche Deckung wie dieser Waldrand ermöglichen ein unauffälliges Anpirschen.

6 Erfolg auf der Pirsch

Es gibt kein Patentrezept für eine erfolgreiche Jagd oder Tierfotografie. Doch mit ein paar Regeln erhöhst Du die Aussicht auf Erfolg. Oberstes Gebot: Bewege Dich rücksichtsvoll und bleibe auf den Wegen.

  • Geräusche vermeiden: Nicht nur auf der Pirschroute ist Ruhe oberstes Gebot. Auch am Ansitz oder in der Kanzel können Dich unüberlegte Geräusche verraten: das Zischen beim Öffnen einer Flasche, Niesen, Räuspern und natürlich das klingelnde Handy.
  • Keine falsche Bewegung: Überlege bei jeder Bewegung, ob sie wirklich nötig ist, und führe sie so ruhig wie möglich aus. Die meisten Tiere reagieren verschreckt auf ungewohnte Bewegungen. Es kann Dich schon verraten, wenn Du das Fernglas zu hastig ans Auge führst.
  • Natürliche Deckung nutzen: Bewege Dich auf der Foto-Pirsch möglichst nicht über weite, freie Flächen, sondern auf Wegen und Pfaden am Wald- oder Wiesenrand. Diese Bereiche bieten eine gewisse natürliche Deckung und steigern die Erfolgsaussichten auf der Pirsch.

7 Das richtige Verhalten auf der Pirsch

Pirschen macht Spaß. »Aber wenn nun alle anfingen, mit der Kamera durchs Unterholz zu schleichen, würde das der Natur Schaden zufügen und gleichzeitig Jäger:innen und Förster:innen verärgern«, betont Ariane. Deshalb sollte jede und jeder bei der Tierbeobachtung oder Tierfotografie viel Rücksicht nehmen. Konkret bedeutet das:

  • Pirsche nicht querfeldein, sondern bleibe auf Wegen und Pfaden. Der Lebensraumverlust ist für viele Tiere bereits enorm etwa durch die Landwirtschaft oder auch durch Wanderer:innen und Mountainbiker:innen.
  • Tiere bitte nicht stören! Zum einen, um die scheuen Wildtiere überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Zum anderen, um sie nicht zu stressen oder gar dauerhaft zu vertreiben.

Waldpirsch: Kaum einer kennt sich in den deutschen Wäldern besser aus als Wolfgang Schreil, alias der ›Woid Woife‹ aus dem Bayerischen Wald. Außerdem ist er Mitglied der HANWAG Sole People. –> Erfahre mehr über den Woid Woife.

  • Abstand halten: Klar, der Reiz ist groß, sich möglichst weit zu nähern. Doch je näher Du an Wildtiere rangehst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du sie vertreibst. Also lieber ein gutes Fernglas und/oder Teleobjektiv mitnehmen. Manche Tiere wie der Auerhahn unterliegen strengem Artenschutz. Es kann bereits rechtliche Folgen haben, wenn man sie verfolgt, um sie zu fotografieren.
  • Regeln einhalten: Halte Dich an die Vorschriften der Gesetzgebung und Bestimmungen zum Artenschutz. Bestimmte Tierarten (zum Beispiel der Schwarzstorch) dürfen nicht gestört und auch nicht fotografiert werden.
  • Informationen für Deutschland findest Du im Bundesnaturschutzgesetz. In der Schweiz gilt das Natur- und Heimatschutzgesetz, das durch Kantonsgesetzgebungen ergänzt wird. In Österreich gelten in jedem Bundesland eigene Bestimmungen.
  • Zu deiner eigenen Sicherheit: Pirsche nicht abseits der Wege, es sei denn, Du hast das mit dem Jäger des jeweiligen Reviers vorab geklärt.
  • Wirf nichts weg. Verlasse die Natur so, wie Du sie betreten hast. Hinterlasse möglichst keine Spuren.
Ob erfolgreich oder nicht – ein Tag auf Foto-Pirsch war auf jeden Fall ein erlebnisreicher Tag in der Natur.

»Nicht aufgeben, wenn die Pirsch nicht gelingt. Beim nächsten Mal klappt es bestimmt.«

Naturpädagogin Dr. Ariane Schmidt

Mit diesen Tipps sollte Dir eine erfolgreiche Foto-Pirsch oder Tierbeobachtung gelingen. Und wenn nicht? Kein Grund, den Fotoapparat ins Korn zu werfen. »Es gibt Tage, da funktioniert es einfach nicht«, sagt unser Pirschprofi Ariane. »Da fühle ich mich selbst als langjährige Jägerin wie ein Elefant im Porzellanladen. Aber beim nächsten Mal klappt es bestimmt.«

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